> Technische Anwendungsszenarien (Use Cases)

In einem ersten Schritt wurden im Projekt SysDL 2.0 Anwendungsfälle (AWF) identifiziert, für die, unter Ausnutzung der koordinierten Wirk- und Blindleistungsstellmöglichkeiten von dezentralen Erzeugungsanlagen (DEA) im Verteilnetz, Systemdienstleistungen bereitgestellt werden können. Die Art der Systemdienstleitungen kann in zwei grundlegende Klassen unterteilt werden: SDL für den Übertragungsnetzbetreiber (AWF A - C) und SDL für den Verteilnetzbetreiber (AWF D - F). Die jeweiligen Anwendungsfälle in diesen Klassen beschreiben grundlegende Situationen, in denen die im Folgenden geschilderten SDL zum Einsatz kommen. Ein koordinierter Abruf von Systemdienstleistungen kann dabei über die ÜNB – VNB-Schnittstelle erfolgen. Der VNB leitet hieraus Sollwertvorgaben für die dezentralen Erzeuger in seinem Netzgebiet ab.

A Aufweitung des Spannungsbands am HöS/HS-Verknüpfungspunkt: Besteht die Gefahr der Verletzung vereinbarter Spannungsbänder im HöS/HS-Verknüpfungspunkt, kann der ÜNB bei den unterlagerten VNBs eine temporäre Aufweitung der Spannungsbänder anfragen. Der VNB prüft auf Basis von aktuellen Messwerten und mittels Sicherheitsrechnungen die Machbarkeit der Anfrage in seinem Netz.

 

B – Blindleistungsaustausch mit dem Verteilnetz: Ist eine temporäre Aufweitung (Flexibilisierung) des VN-Spannungsbandes nicht möglich bzw. nicht ausreichend, kann der ÜNB zusätzlich Blindleistung aus den unterlagerten VN zwecks Spannungshaltung im HöSNetz anfragen. Die unterlagerten VNBs überprüfen jeweils die Realisierbarkeit der angefragten Blindleistungsbereitstellung in ihren 110kV-Netzen, wobei explizit auch das Blindleistungsstellpotenzial der HS-DEAs mit einbezogen wird.

 

C Prüfung von Redispatchanfragen: Redispatchbedingte Eingriffe in den Fahrplan von Kraftwerken auf der 110kV-Ebene sollen zukünftig von den betroffenen VNBs durch Sicherheitsrechnungen geprüft und gezielt freigegeben werden.

 

D Lokale Spannungshaltung im 110kV-Netz: Nähert sich die Spannung im VN den zulässigen Grenzwerten und droht eine lokale Verletzung des Spannungsbandes, kann der VNB das Blindleistungsstellpotenzial der DEA in seinen Spannungsebenen zur lokalen Spannungshaltung einsetzen.

 

E Minimierung der Netzverluste im 110kV-Netz: Innerhalb der durch die jeweiligen Netzanschlussrichtlinien gegebenen Blindleistungsstellbereiche dezentraler Erzeuger kann die koordinierte Blindleistungsbereitstellung im ungestörten Netzbetrieb auch zur Minimierung der Netzverluste im 110kV-Netz eingesetzt werden.

 

F Lokales Engpassmanagement im 110kV-Netz: Bei drohenden Stromengpässen kann eine Reduktion der aktuellen Wirkleistungseinspeisung vorgenommen werden. In Ergänzung zum bereits etablierten Einspeisemanagement können durch die zentrale Optimierung noch weitere Nebenbedingungen mit verfolgt werden (z.B. minimale Wirkleistungsabregelung).